Allgemein

Geht es uns wirklich nicht um das Gewinnen?

Man sagt man läuft um gegen sich selbst zu gewinnen. Man will eigene Grenzen erfahren und bewusst verschieben.

Man sagt es geht nicht um das Gewinnen. Man will fitter und gesünder werden.

Man sagt es ist egal welchen Platz man erreicht hat.

Und dennoch schauen wir nach, in welcher Zeit wir ein Rennen beendet haben.

Und dennoch schauen wir nach welchen Platz wir erreicht haben.

Und dennoch wollen wir so schnell wie nur möglich das nächste Rennen mitmachen.

Es scheint, dass es uns doch nicht so ganz egal ist, wie wir uns geschlagen haben.

Vielleicht glauben wir einfach nicht besser werden zu können und tuen dann so, als ob wir  gar nicht gewinnen wollen.

Ich gestehe es. Ich würde gerne einen Lauf gewinnen.

Was für ein Gefühl müsste es sein, wenn man der Schnellste von allen ist. Es ist bestimmt ein tolles Gefühl, wenn alle in deine Richtung aufschauen und denken „Wow ist er klasse! So eine super Leistung!“

Gut zurück auf den Boden der Tatsachen.

Ich kann kaum schneller werden. Egal was ich mache und egal wie ich trainiere. Außerdem bin ich auch, im sportlichen Sinn, ziemlich alt.

Ok, der Schnellste werde ich kaum werden.

Ich könnte aber länger laufen. Mega, Ultra lange. Das machen wenige.

Nö, schaffe ich gar nicht.

5-6 Stunden, so langsam wie ich sonst laufe, sind mein Maximum. Mehr geht nicht.

Ich könnte an echt exotischen Orten laufen. Ein Etappen-Lauf durch den Dschungel von Costa Rica. Das hört sich geil an. Oder einen Marathon am Nordpol bei -25°C. Auch das machen wenige.

Geht nicht. Da habe ich viel zu viel Angst vor Schlagen, Blutegeln, Malaria, Gefrierbrand, Zehenamputation usw. Ich bleibe also doch bei den Stadt-Läufen.

Die letze Idee, die ich habe, ist einfach abzuwarten.

Je älter ich bin, desto weniger Konkurrenz habe ich. Irgendwann bin ich allein in meiner Altersgruppe und gewinne dann bestimmt.

Und dann liest man über Hiromu Inada, der gerade den Ironman Hawai (2018) 6 Minuten vor der Cut-Off Zeit erfolgreich beendet hat. Mit 86 war er der Einzige in seiner Altersklasse. Damit ist die Grenze sehr hoch gesetzt worden.

Wenn man das so sieht, ändert man am besten die Sportart. Vielleicht sieht es dort besser aus.

Oder es kommt eben einfach nicht auf das Gewinnen an.